8 Jahre war ich Haylies Mama – was kommt jetzt? Ein Life Update

Blog, Unser Leben privat

So nun bin ich schon beinahe 9 Jahre nur Zuhause. Während meiner letzten richtigen Arbeitsstelle, damals als Verkäuferin in einem Schuhgeschäft mit befristeten Vertrag, wurde ich mit Haylie schwanger. Mein Vertrag war nur befristet und natürlich habe ich alles dafür getan um weiter dort arbeiten zu können, aber so geschah es, dass ich dann doch die restliche Schwangerschaft daheim war. Arbeitslos.

Dann kam Sie zur Welt meine Haylie und ich war in Karenz. Noch während der Karenz bekamen wir die schreckliche Diagnose Tay-Sachs, die meiner Maus nach fast 8 Jahren, diesen April das Leben kostete. In all der Zeit habe ich zwar auch einige Jahre geringfügig gearbeitet, habe den Verein Hand in Hand für Tay-Sachs & Palliativkinder gegründet und diesen Blog gestartet – aber richtig gearbeitet, also so richtig mit 38,5 Stunden Woche und mit richtigen Gehalt, habe ich nun schon seit 9 Jahren nicht mehr!

Ein glücklicher Moment mit Haylie im Legoland Deutschland

Eine lange Zeit.

Und nun, da Haylie gestorben ist und meine Aufgabe, mein Job, mein Lebensinhalt, nicht mehr da ist – zumindest nicht in einer physischen Form – ist es an der Zeit mir Gedanken über meine Zukunft zu machen. Ich muss, oder sollte langsam, wieder Fuß fassen im Berufsleben und eine Aufgabe und ein Gehalt wären schon eine schöne Sache.

Aber wie soll es nach fast 8 Jahren Pflege meiner Tochter nun weiter gehen?

Soll ich – nachdem ich mich die letzten Jahre fast nur mit den sogenannten lysosomalen Speicherkrankheiten, mit Tay-Sachs, mit Sandhoff, mit GM1, beschäftigt habe, nachdem ich über Jahre hinweg gelernt habe wie man mit anderen Betroffenen umgeht, wie man lagert, wie man tief im Rachen absaugt, wie man Nahrung sondiert, wie man Medikamente verabreicht, und so vieles mehr – etwa einfach wieder zurück gehen in den Einzelhandel?

Soll meine Lebensaufgabe – der Job, in dem ich mehr Stunden verbringen werde wie effektiv Zuhause mit meinem Kind, wirklich daraus bestehen Menschen Dinge „anzudrehen“ die sie gar nicht brauchen? Kunden Ratenzahlungen zu empfehlen, obwohl sie sich das eigentlich gar nicht leisten können? Soll ich wirklich mitmachen in dem Hamsterrad, das darin besteht immer dem neuesten, dem teuersten, dem hochwertigsten, dem Prestige-trächtigsten nachzurennen? Und soll ich meine Kunden ebenfalls genau diesen Dingen hinterherjagen lassen? Weil nur das teuerste Sofa sagt: „Ich bin etwas wert, denn ich habe Geld!?“? Oder weil man den allergrößten Fernseher braucht, um sein Kind davor zu parken, damit die Gäste ja wissen wieviel man verdient?

Sollen etwa all die Fähigkeiten, die ich mir in den letzten Jahren angeeignet habe, einfach vergessen werden? Soll all das, etwa umsonst gewesen sein?

Ganz ehrlich. Nein.

Der Einzelhandel ist nicht mehr meine Welt. Das war es eigentlich nie.

Ich will nun andere Wege gehen

Ja. Ich habe mich entschieden. Ich wünsche mir etwas anderes für meine Zukunft.

Was ich nicht möchte ist weitere 30-40 Jahre in einem Job arbeiten, der mir keine Freude bereitet. In einem Job, der anderen Menschen nicht hilft, sondern ihr Leben vielleicht sogar noch schwerer macht. Nein.

Einen „grünen“ Fußabdruck möchte ich hinterlassen, und das nicht nur in meinem Privatleben. Ich möchte, dass meine Arbeit einen Mehrwert hat, dass ich mich durch meine Tätigkeit besser fühle – nicht schlechter! Mein Job soll nicht nur Arbeit sein, nicht nur da sein um Geld zu verdienen! Mein Job soll auch Berufung sein, Freude, Erfüllung!

Ich möchte anderen Menschen helfen! Denn ich habe gelernt, dass einem kein Geld, kein Luxus der Welt, mehr das Gefühl bedeutend und glücklich zu sein gibt, als anderen Menschen zu helfen.

Und darum habe ich mich dazu entschlossen eine neue Ausbildung zu beginnen. Ich habe mich also dem Bewerbungszirkus um einen Ausbildungsplatz gestellt, habe den Aufnahmetest, das Bewerbungsgespräch und das Vorsprechen vor der Aufnahme-Kommission absolviert. Ja ich habe sogar eine Polyexternistenprüfung abgelegt, weil wir feststellen mussten, dass mir trotz abgeschlossener Lehre die 9.Schulstufe fehlte (Weil ich ein Jahr im Gym wiederholte habe ich gesetzlich gesehen zwar 9 Schuljahre, was einem zum Beginnen einer Lehre qualifiziert, aber ich hatte keine 9.Schulstufe).

Eine Chance sollte genutzt werden

Ich habe die Chance ergriffen und es einfach versucht, ohne Vorbereitung, ohne zu wissen was bei der Bewerbung für diesen Ausbildungsplatz überhaupt auf mich zukommt.

Und ich wurde angenommen! Im März nächstes Jahr (bzw spätestens im Oktober 2019) werde ich mit der Ausbildung zur Pflegefachassistentin beginnen!

Pflegefachassistenz ist im Grunde die neue Ausbildung zur Krankenschwester – denn seit 2018 kann man Gesundheits- und Krankenpflege nur mehr studieren, arbeitet dann nach abgeschlossenen Studium aber im gehobenen Dienst. Das bedeutet, dass man dann nur mehr wenig wirklich „am Patienten“ arbeitet, und sich mehr mit Pflegeplanung und Organisatorischen befasst. Für die direkte Arbeit am Pateinten wurde die neue Ausbildung zur Pflegefachassistenz geschaffen.

Ich werde also meine durch Haylies Pflege angelernten Fähigkeiten nicht einfach wieder vergessen, sondern werde noch viel mehr lernen! Und ich werde dann nach Abschluss der 2-jährigen Schule, eine Spezialisierung im Bereich Kinder und Jugendlichen Pflege anstreben!

Hoffentlich werde ich dann meine Arbeitstage damit verbringen kranken Kindern, wie meiner Haylie zu helfen, ihr Leben zu erleichtern. Und hoffentlich werde ich dann immer mit einem guten Gefühl an meine Arbeit denken und mit einem Lächeln meinen Arbeitstag beenden.

Es ist aufregend und ich freue mich total!

Ich hätte die Ausbildung auch schon mit Oktober dieses Jahr beginnen können, aber ich habe mich dazu entschieden noch zu warten bis der nächste Ausbildungsblock beginnt. Helena ist noch nicht mal 2 Jahre alt und die Schule wäre in einem Vollzeit-Ausmaß (das bedeutet jeden Tag Schule bis 17:30 Uhr und abends dann lernen, ebenso wie an den Wochenenden), da würde für meine kleine Maus ja überhaupt keine Zeit mehr bleiben. Und für mich wäre diese radikale Veränderung wahrscheinlich genauso schwer wie für meine Maus.

Um mich auch in der Zeit zu beschäftigen und um mich und Helena ganz sanft an das Leben einer Berufstätigen zu gewöhnen, bin ich nun auf der Suche nach einem Teilzeitjob oder einer geringfügigen Beschäftigung bis Anfang März. Wenn ihr also zufällig etwas wisst – lasst es mich wissen 🙂

Haylie hat mich verändert – und diese Veränderung habe ich angenommen. Ich habe sie liebgewonnen. Nun kann ich vielleicht wirklich meine Berufung daraus machen.

Ja, manchmal ist das Leben schön!

2 comments
  1. Verena Sophie Antworten
    7. Juli 2018 um 21:59 Uhr

    Liebe Eva, es freut mich sehr zu lesen, dass du deinen weiteren Weg gefunden hast! Du hast zwar schon längst unglaublich tiefe wertvolle Spuren hinterlassen aber nun dürfen noch vielen Menschen von deiner Empathie und Care-Arbeit profitieren. Haylie ist bestimmt unglaublich stolz und deine ganze Familie. Viel Erfolg, Kraft und Ausdauer für dieses Ziel!

  2. Bettina Apelt Antworten
    7. Juli 2018 um 17:27 Uhr

    Du wunderbare tolle Frau: Wie schön, dass Du immer Deinen Weg findest. <3 Ich wünsche Dir das Allerbeste.

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Wer bloggt hier?
Das bin ich! Verheiratete Mama von zwei Mädels, aus Oberösterreich, durch und durch Chaotin, Weltverbesserin, Träumerin und noch vieles mehr, namens Eva. Meine große Tochter Haylie litt am seltenen Tay-Sachs Syndrom und hätte eigentlich nur ca. 3 Jahre alt werden "dürfen", doch sie war eine Superheldin und kämpfte fast 8 Jahre gegen diese Krankheit! Hier lest ihr über unser Leben mit einer tödlichen Krankheit, wie wir mit der Trauer umgehen, aber auch allerhand aus unserem ganz normalen Mami-Wahnsinn!
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